Das Badezimmer ist der Raum, in dem im Haushalt die meisten Unfälle passieren. Erhebungen zur Unfallverhütung gehen für Deutschland von einer sechsstelligen Zahl an Badunfällen pro Jahr aus, und der mit Abstand häufigste Hergang ist immer derselbe: Ausrutschen auf nassen Fliesen. Bei Menschen über 65 ereignen sich zudem weit mehr als die Hälfte aller Stürze in der eigenen Wohnung.
Die gute Nachricht: Kaum ein anderes Sicherheitsproblem lässt sich mit so wenig Aufwand entschärfen. Es kommt allerdings auf Details an, die beim Kauf leicht übersehen werden.
Warum ausgerechnet das Bad
Vier Faktoren treffen hier zusammen, die es sonst nirgends in der Wohnung gibt:
- Nasse, glatte Flächen. Fliesen verlieren mit Wasser und Duschgel fast ihre gesamte Haftung.
- Einbeinstand. Beim Ein- und Aussteigen aus Wanne oder Dusche steht man zwangsläufig kurz auf einem Bein.
- Nichts zum Festhalten. Handtuchhalter, Duschvorhangstange und Waschbecken halten kein Körpergewicht.
- Kreislauf. Warmes Wasser und schnelles Aufstehen senken kurzzeitig den Blutdruck.
Der Unterschied, der am meisten zählt
Viele kaufen das falsche Produkt, weil zwei ganz verschiedene Dinge denselben Namen tragen.
| Merkmal | Badvorleger | Duschmatte |
|---|---|---|
| Liegt | vor der Wanne oder Dusche, auf trockenem Boden | im Nassbereich, in der Duschtasse oder Wanne |
| Aufgabe | Wasser aufnehmen, warm stehen | Halt geben, wo Wasser läuft |
| Unterseite | Gummi- oder Latexbeschichtung | dicht gesetzte Saugnäpfe |
| Material | Textil, Bambus, Kieselgur | Gummi oder Kunststoff mit Ablauflöchern |
Ein textiler Vorleger im Duschbereich saugt sich voll und schwimmt auf, statt zu halten. Umgekehrt ist eine Gummimatte vor dem Waschbecken unbequem und nimmt kein Wasser auf. Für ein sicheres Bad brauchen Sie beides: eine Duschmatte im Nassbereich und einen rutschfesten Badvorleger davor.
Was eine Matte wirklich rutschfest macht
Dichte statt Größe. Ein paar große Saugnäpfe in den Ecken reichen nicht. Die Matte muss über die gesamte Fläche haften, sonst wölbt sie sich in der Mitte und wird selbst zur Stolperstelle.
Der Untergrund muss glatt sein. Saugnäpfe halten nur auf porenfreien Oberflächen: Emaille, Acryl, glasierte Fliesen. Auf strukturierten Antirutsch-Duschtassen, Naturstein oder rauem Feinsteinzeug bekommen sie keinen Unterdruck. Dort ist eine textile Antirutschunterlage oder ein Duschrost die bessere Lösung.
Größe ehrlich ausmessen. Die Matte sollte die Standfläche vollständig abdecken. Wer beim Umdrehen mit der Ferse daneben tritt, hat nichts gewonnen. Bei Duschtassen zählt das Innenmaß am Boden, nicht das Außenmaß.
Ablauflöcher. Ohne sie steht das Wasser auf der Matte, und der Film zwischen Fuß und Gummi macht genau das Problem wieder auf, das die Matte lösen soll.
Flache Kanten. Aufgestellte oder eingerollte Ränder sind eine Stolperkante. Eine Matte, die sich nach dem Auslegen nicht sofort flach legt, wird es auch später nicht tun.
Checkliste vor dem Kauf
Fünf Fehler, die man immer wieder sieht
Diese Griffe sind als Orientierungshilfe gedacht, nicht als Stütze. Sie lösen sich unter Last, und zwar genau dann, wenn man sich darauf verlässt. Ein Haltegriff, der Körpergewicht tragen soll, muss verschraubt sein.
2. Zu kleine Matte. Sie deckt die Fläche ab, auf der man steht, aber nicht die, auf der man sich dreht. Beim Griff zum Shampoo tritt man daneben.
3. Verkalkte Saugnäpfe. Kalk und Seifenreste füllen die kleinen Hohlräume, der Unterdruck entsteht nicht mehr. Die Matte sieht aus wie neu und hält trotzdem nicht.
4. Vorleger ohne Halt. Ein hübscher Teppich ohne Beschichtung auf glatten Fliesen ist gefährlicher als gar keiner, weil er unter dem Fuß wegrutscht.
5. Alles auf die Matte gesetzt. Sie ist eine Maßnahme von mehreren, nicht die Lösung für sich.
Pflege: der Punkt, an dem die Sicherheit verloren geht
Eine Duschmatte verliert ihre Haftung nicht durch Abnutzung, sondern durch Ablagerungen. Zwei Handgriffe halten sie funktionsfähig:
- Nach dem Duschen aufstellen oder aufhängen, damit die Unterseite abtrocknet. Liegen bleibt sonst ein feuchter Film, in dem sich alles absetzt.
- Alle ein bis zwei Wochen reinigen. Warmes Wasser mit etwas Essigreiniger löst den Kalk in den Saugnäpfen. Viele Gummimatten dürfen auch bei 30 bis 40 Grad in die Maschine, ein Wäschesack schützt dabei die Näpfe. Für textile Vorleger gelten eigene Regeln, die wir unter Badematten richtig waschen erklären.
Matte auslegen, andrücken, dann an einer Ecke anheben. Spüren Sie einen deutlichen Widerstand und hören ein leises Sauggeräusch, sitzt sie. Lässt sie sich mühelos abziehen, ist es Zeit für eine Reinigung, oder der Untergrund ist zu rau.
Wer diese Pflege gar nicht leisten möchte, fährt im Vorraum mit einer Kieselgur-Matte besser: Sie wird nur abgewischt und nimmt kein Wasser in Fasern auf. Welches Material sonst wozu passt, steht in unserem Materialvergleich.
Was noch hilft, wenn man schon dabei ist
Die Matte wirkt am besten im Verbund mit ein paar Kleinigkeiten, die zusammen kaum etwas kosten:
| Maßnahme | Warum |
|---|---|
| Verschraubter Haltegriff | Gibt beim Ein- und Aussteigen den festen Punkt, den es sonst im ganzen Raum nicht gibt. |
| Duschhocker | Wer sitzt, steht nicht auf einem Bein. Die wirksamste Einzelmaßnahme bei Gleichgewichtsproblemen. |
| Handbrause mit langem Schlauch | Erlaubt das Duschen im Sitzen und das Nachjustieren ohne Verrenkung. |
| Nachtlicht mit Bewegungsmelder | Der nächtliche Weg ins Bad ist ein klassischer Sturzhergang. |
| Handtuch in Reichweite | Damit niemand sich nass streckt oder auf den nassen Boden tritt. |
| Bodenfliesen der Bewertungsgruppe R10 oder R11 | Nur bei ohnehin geplanter Renovierung, dafür die dauerhafteste Lösung. |
Ist Ihr Bad sicher?
Drei Fragen zum Selbsttest
1. Womit halten Sie sich beim Aussteigen aus der Dusche fest?
Genau richtig. Das ist der einzige Punkt im Bad, der im Ernstfall wirklich trägt.
Beides hält kein Körpergewicht und gibt im Zweifel nach, was den Sturz verschlimmert. Ein verschraubter Griff kostet wenig und ist in einer Stunde montiert.
Bis es einmal nicht geht. Stürze im Bad passieren selten aus Unachtsamkeit, sondern im ganz normalen Ablauf, wenn der Kreislauf einmal nicht mitspielt.
2. Wann haben Sie die Saugnäpfe Ihrer Duschmatte zuletzt gereinigt?
Vorbildlich. Damit bleibt die Haftung erhalten, denn Kalk ist ihr größter Feind.
Dann lohnt der Zehn-Sekunden-Test: anheben und prüfen, ob die Matte noch saugt. Kalk in den Näpfen ist unsichtbar und der häufigste Grund, warum eine gute Matte nicht mehr hält.
3. Was liegt vor Ihrer Dusche?
Richtig. Der Moment nach dem Aussteigen, mit nassen Füßen auf glatten Fliesen, ist der kritischste im ganzen Ablauf.
Der ist gefährlicher als gar keiner, weil er auf nassen Fliesen wegrutscht. Eine Antirutschunterlage darunter löst das Problem sofort.
Nasse Fliesen sind die glatteste Fläche der Wohnung. Ein saugfähiger, rutschfester Vorleger ist die einfachste Maßnahme von allen.
Häufige Fragen
Halten Saugnäpfe auf einer strukturierten Duschtasse?
In der Regel nicht. Antirutsch-Duschtassen haben eine feine Oberflächenstruktur, die genau den Unterdruck verhindert, den Saugnäpfe brauchen. Dort eignen sich Duschroste aus Holz oder Kunststoff besser, die auf der Struktur aufliegen statt zu haften.
Ist eine rutschfeste Matte auch bei Fußbodenheizung sinnvoll?
Ja, an der Sicherheitsfrage ändert die Heizung nichts. Achten Sie nur auf eine flache Bauweise, damit die Wärme nicht gedämmt wird.
Wie oft muss eine Duschmatte ersetzt werden?
Nicht nach Kalender, sondern nach Zustand. Wenn die Saugnäpfe nach gründlicher Reinigung nicht mehr haften, wenn das Material hart geworden ist oder sich die Kanten aufstellen, ist die Matte fällig. Bei regelmäßiger Pflege sind mehrere Jahre normal.
Reicht eine rutschfeste Matte, oder braucht es einen Umbau?
Für die meisten Haushalte reicht die Kombination aus Duschmatte, Vorleger und verschraubtem Haltegriff. Bei ausgeprägter Gangunsicherheit lohnt zusätzlich ein Duschhocker, bei einem ohnehin anstehenden Umbau die bodengleiche Dusche. Für solche Anpassungen gibt es in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse der Pflegekassen, ein Gespräch mit der Pflegeberatung klärt das im Einzelfall.
- Duschmatte im Nassbereich und Vorleger davor sind zwei verschiedene Produkte, Sie brauchen beide.
- Saugnäpfe halten nur auf glatten Oberflächen und nur, wenn sie sauber sind.
- Die Matte muss die gesamte Standfläche abdecken, nicht nur die Mitte.
- Haltegriffe gehören verschraubt, niemals gesaugt.
- Hocker, Nachtlicht und Handbrause verstärken die Wirkung für kleines Geld.
